Zusammenfassung
Antrag des Gesundheits-Ausschusses
Verhandlungsgegenstand
- VerhandlungsgegenstandLtg.-908-1/XX-2026 – Nachhaltige Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen für klinische Psychologie
Berichterstatter
Redner
- Edith Kollermann (NEOS) Tagesordnungspunkt 12 Video und Sitzungsbericht
- Silvia Moser (GRÜNE) Tagesordnungspunkt 12 Video und Sitzungsbericht
- Karin Scheele (SPÖ) Tagesordnungspunkt 12 Video und Sitzungsbericht
- Richard Punz (FPÖ) Tagesordnungspunkt 12 Video und Sitzungsbericht
- Marlene Zeidler-Beck (ÖVP) Tagesordnungspunkt 12 Video und Sitzungsbericht
Abstimmung
Antrag einstimmig angenommen
Video-Übertragung der Sitzung
Den textlichen Auszug des Sitzungsberichts finden Sie nach dem Video.
Auszug aus dem Sitzungsbericht
Dritte Präsidentin Schmidt: Wir kommen zum Verhandlungsgegenstand Ltg.-908-1, Antrag gemäß § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Gepp und Punz betreffend nachhaltige Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen für klinische Psychologie. Ich ersuche Herrn Abgeordneten Ecker, die Verhandlungen einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Mag. Ecker, MA (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich berichte zum Antrag mit der Ltg.-908-1 über den Antrag gemäß § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Gepp, Punz betreffend nachhaltige Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen für klinische Psychologie. Der ursprünglich eingebrachte Antrag im Ausschuss hatte zum Inhalt, dass es steigenden Bedarf nach klinisch-psychologischen Leistungen gibt, aber das Finden geeigneter Praxisstellen eine Herausforderung und in Niederösterreich besonders schwer sei und der ursprüngliche Antrag hat in Folge zusätzliche Ausbildungsstellen in Niederösterreich gefordert. Ich komme zum Antrag des Gesundheits-Ausschusses eben jenes § 34-Antrags:
"Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1. Die Landesregierung wird aufgefordert,
a. die zur Verfügung stehenden Ausbildungskapazitäten sowie die jeweiligen Ausweitungsoptionen im Bereich der klinischen Psychologie zu evaluieren;
b. entsprechend dem jeweiligen gesetzlichen und wirtschaftlichen Auftrag, gemeinsam mit allen Stakeholdern, eine nachhaltige Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen zu forcieren;
c. an die Bundesregierung heranzutreten und diese aufzufordern, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine attraktive Ausbildung zu schaffen sowie
d. an die Bundesregierung heranzutreten und diese aufzufordern, die Schulpsychologie als Präventionsmaßnahme weiter zu stärken und auszubauen.
2. Durch diesen Antrag gemäß § 34 LGO wird der Antrag Ltg.-908 miterledigt."
Ich bitte um Einleitung der Debatte und um Abstimmung.
Dritte Präsidentin Schmidt: Ich eröffne die Debatte. Zum Wort gelangt Abgeordnete Edith Kollermann, NEOS.
Abg. Mag. Kollermann (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte meine Ausführungen heute mit einem Zitat beginnen, das die Dimension dieses Themas, um das es jetzt geht, auf den Punkt bringt. "Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit." Dieser Satz der WHO erinnert uns daran, welchem Stellenwert die psychische Gesundheit für unsere gesamte Gesellschaft hat. Wir stimmen diesem Antrag mit dem Ziel zur Erhöhung der Ausbildungsstellen für klinische Psychologinnen und Psychologen und auch mit der Erhöhung der Ausgaben für die Schulpsychologie ohne Einschränkung zu, denn er setzt dort an, wo die Realität uns längst eingeholt hat. Der Bedarf steigt, die Zahl der Fachkräfte muss aber mitwachsen. Die niederösterreichischen Kliniken haben den psychologischen Dienst bereits deutlich ausgebaut, die Ausbildungsqualität ist hoch und die Standorte sind breit gestreut. Es gibt 26 Ausbildungsstellen in 13 Kliniken in Niederösterreich, aber wenn wir über diesen Antrag sprechen, dann dürfen wir nicht bei der Versorgung stehen bleiben, sondern wir müssen die viel grundlegenderen Fragen stellen. Warum steigt die psychische Belastung in der Bevölkerung so stark? Psychische Erkrankungen entstehen nicht aus dem Nichts. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich in den letzten Jahren massiv verändert hat. Die Störfelder, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind, die sind größer geworden. Sozial, digital. Familien stehen oft unter großem Druck, sowohl organisatorischer als auch finanzieller Art. Erwachsene haben auch immer weniger Erholungsphasen, was mit den beiden vorgenannten Dingen auch zu tun hat. Und Arbeitswelten verändern sich schneller, als viele Menschen mitkommen. Das sind Entwicklungen, die psychische Belastungen verstärken – nicht punktuell, sondern strukturell. Und wenn wir diese Ursachen nicht angehen, dann werden selbst zusätzliche Ausbildungsstellen nur ein Reparatursystem bedienen. Warum sinkt die Resilienz? Resilienz ist keine individuelle Eigenschaft, also die Widerstandskraft, sondern ein Ergebnis guter Rahmenbedingungen. Menschen brauchen Selbstbestimmung, Gestaltungsspielräume und Entlastung dort, wo sie strukturell überfordert werden. Auch die Schulen sind eng getaktet. Immer mehr Inhalte werden in die vorhandenen Stunden gestopft und ich erinnere an die Diskussion im letzten Jahr, wo es um eine Entrümpelung des Lehrplans geht und gegen die dann doch einige wieder massiv auftreten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Herausforderung. Dort sind wir überhaupt noch nicht dort, wo wir hinmüssen. Und auch präventive Angebote sind noch zu gering vorhanden. Resilienz wächst dort, wo Menschen frei atmen können, nicht dort, wo Systeme sie unter Druck setzen. Wo kann die Politik hier konkret ansetzen? Prävention ist schon gefallen. Die Prävention muss verstärkt werden, sodass man nicht erst bei der Krise ansetzt, sondern im Vorfeld schon sehr viel abfedern könnte. Der Antrag betont auch zu Recht die Bedeutung der Schulpsychologie. Und sie braucht mehr Ressourcen, mehr Sichtbarkeit und vor allem Verlässlichkeit. Zweitens: Selbstbestimmung erhöhen. Wir brauchen flexiblere Bildungswege, moderne Arbeitszeitmodelle, echte Vereinbarkeit. Die Politik darf nicht die Verwaltung von Engstellen sein, sie muss Räume öffnen. Und drittens: Auch die gesellschaftliche Resilienz ist zu fördern. Wir können globale Herausforderungen nicht abschaffen. Krisen gehören zur Gegenwart und sie werden uns auch in der Zukunft treffen. Aber wir können uns damit befassen, wie Menschen befähigt werden, damit umzugehen, durch Gesundheitskompetenz, durch soziale Netzwerke – womit ich nicht Social Media meine, sondern im physischen Bereich – psychische Prävention. Das können wir beeinflussen. Wir können nicht jede psychische Krise verhindern, wir können nicht jedes gesellschaftliche Risiko ausräumen. Wir können aber Versorgung sichern, wir können Prävention aufwerten und Belastungen damit reduzieren. Der Antrag richtet sich ja hinsichtlich der Schulpsychologie vor allem an die Bundesregierung. Und da kann ich sagen, dass er an die richtige Stelle kommt, denn hier kann Minister Wiederkehr bereits auf seine Erfahrung zurückgreifen und ist auch dabei, die richtigen Schritte zu setzen. Und da freut er sich ganz sicher über Rückenwind aus den Ländern. Wir NEOS reden nämlich nicht nur, wir setzen um, wenn man uns lässt. In Wien wurden multiprofessionelle Teams aus Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen aufgebaut, "Mental Health Days" etabliert mit "School Nurses", ein neues niederschwelliges Unterstützungsangebot direkt in den Schulalltag geschaffen. Ein Beginn. Wir sind noch nicht dort, wo wir in der Ausbaustufe sein werden, aber es ist ein Beginn und man muss einmal aufhören damit zu sagen, was alles nicht geht, nur weil man nicht alles auf einmal machen kann. Auf Bundesebene hat der Bildungsminister Christoph Wiederkehr eine historische Personaloffensive gestartet. Die Zahl der Schulpsychologinnen wird in zwei Jahren jeweils um 70 Stellen erhöht und es gibt erstmals auch Bundesplanstellen für Schulsozialarbeit an AHS und BHS. Die Mittel für psychosoziale Unterstützung und Präventionsarbeit wurden ebenfalls deutlich aufgestockt. Das zeigt klar: NEOS erkennt den Bedarf und handelt. Gleichzeitig ist offensichtlich, wie groß die Herausforderungen bereits sind. Wenn Schulen Kinder früh auffangen können, Gewalt und Krisen präventiv verhindern und Lehrkräfte entlastet werden sollen, dann braucht es mehr qualifizierte Fachkräfte und daher ist dieser Antrag auch so wichtig. Deshalb müssen wir auch jetzt die Ausbildungsplätze für klinische Psychologinnen deutlich ausbauen, denn ohne Personal bleibt jede Reform nur auf dem Papier stehen. Dieser Antrag ist ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt. Die Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen ist ein Baustein. Die eigentliche Aufgabe liegt darin, die Bedingungen so zu verändern, dass psychische Belastungen nicht mehr in diesem Ausmaß entstehen. Wenn wir mentale Gesundheit wirklich ernst nehmen, dann stärken wir nicht nur die Versorgung, wir stärken die Menschen. Das ist liberale Politik: Rahmen schaffen, die Freiheit, Gesundheit und Resilienz ermöglichen. Dem Antrag werden wir – wie ich zu Beginn gesagt habe – gerne zustimmen. Danke. (Beifall bei den NEOS.)
Dritte Präsidentin Schmidt: Zum Wort gelangt Abgeordnete Silvia Moser, GRÜNE.
Abg. Mag. Moser, MSc (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich schließe gleich direkt an meine Vorrednerin an. Ja, das ist schön, wenn der Bedarf an klinischen Psychologinnen und Psychologen erkannt wird und Stellen geschaffen werden, aber wir haben die klinischen Psychologinnen und Psychologen nicht, wenn wir die Ausbildungsstellen nicht schaffen. Und ja, warum ist es so? Wir haben globale Krisen, wir haben wirtschaftliche Unsicherheiten, Kriege, Klimakrise und so weiter, familiäre Belastungen, all das hinterlässt Spuren in der Psyche der Menschen – und zwar quer durch alle Altersgruppen. Und Gott sei Dank, die Betroffenen nehmen mehr und mehr professionelle Hilfe in Anspruch. Und darum steigt eben der Bedarf an Fachärztinnen für Psychiatrie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapeutinnen, klinischen Psychologinnen und so weiter. Weil man diesen Bedarf auch erkannt hat und um die psychosoziale Versorgung zu verbessern, gibt es ja auch seit heuer Jänner vollfinanzierte Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlungen, und zwar wirklich in einem guten Ausmaß von über 120.000 Einheiten. Da brauchen wir halt auch die klinischen Psychologinnen dafür. Die arbeiten ja nicht nur in den eigenen Praxen, wie wir schon gehört haben, sondern auch in Kliniken, Kuranstalten, Ambulatorien, Beratungsstellen, Justizanstalten, bei psychosozialen Diensten, psychiatrischen Einrichtungen, Kriseninterventionsstellen, Schulpsychologie und, und, und. Mit dem Psychologengesetz 2013 wurde das Berufsbild der klinischen Psychologie klar ausdifferenziert und auch deutlich aufgewertet. Klinisch-psychologische Diagnostik und die Erstellung von klinisch-psychologischen Befunden sind heute gesetzlich den klinischen Psychologinnen vorbehalten. Das heißt, diese Leute sind hoch spezialisiert, sie absolvieren ein Masterstudium der Psychologie und anschließend eine postgraduale Ausbildung in der klinischen Psychologie. Und dann werden sie in die Berufsliste der klinischen Psychologinnen vom Gesundheitsministerium eingetragen und müssen ähnlich wie in anderen Gesundheitsbereichen regelmäßig Weiterbildungen absolvieren. Und diese postgraduale Ausbildung ist sehr anspruchsvoll. Die Theorie erstreckt sich über zwei Jahre. Da haben wir Theorieeinheiten, Selbsterfahrung, Supervision und zum Abschluss dann Fallstudien und eine kommissionelle Abschlussprüfung. Und jetzt ist aber die Problematik dabei, dass sie auch praktische Ausbildung natürlich machen müssen, und zwar in einem Dienstverhältnis. Das heißt, jede Praxiszeit, die nicht in einem Anstellungsverhältnis erfolgt, wird nicht angerechnet. Und diese Praxiszeit sind über 2.000 Stunden, das sind in der Praxis in etwa 15 Monate. Von diesen über 2.000 Stunden muss die Hälfte in etwa im klinischen Setting absolviert werden und 500 Stunden im Bereich Kinder und Jugendliche. Und hier ist in Niederösterreich ein absoluter Flaschenhals. Da ist es ganz, ganz schwer geeignete Praxisstellen zu finden. Es ist so, dass wir viele kleinere Einrichtungen haben in diesem Kinder-/Jugendbereich, kleinere Ambulatorien, Beratungsstellen und die haben einfach nicht klinische Psychologinnen in dem Ausmaß beschäftigt, dass die ausbilden dürfen. Und was ich besonders dramatisch finde: In der Schulpsychologie ist der Bedarf an klinischen Psychologinnen da, aber die bilden überhaupt nicht aus. Und das müssen wir unbedingt ändern. Es ist natürlich... man darf die Ausbildungsstellen und die dort tätigen klinischen Psychologinnen auch nicht überfrachten mit Auszubildenden, das ist eh klar, das muss in einem verantwortungsvollen Rahmen passieren. Ja, darum haben wir den Antrag gestellt und wir haben da die Landesregierung aufgefordert, mit einem klaren Ersuchen an jene Stellen heranzutreten, die in Niederösterreich über die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze entscheiden können und das ist vor allem die NÖ Landesgesundheitsagentur – wie gesagt, da gibt es jetzt 26 Ausbildungsstellen, das ist auch nicht die Welt – und die Bildungsdirektion natürlich und Einrichtungen und Ambulatorien im Bereich der Kinder und Jugendlichen. Dem § 34-Antrag stimmen wir natürlich zu. Ich meine, es fehlt uns halt dieser explizite Auftrag, diese namentliche Nennung der Stellen, die wir ansprechen, aber besser als nichts. Ich hoffe, dass verständlich ist, warum die Problematik wirklich brennt und dass man da Abhilfe schaffen muss. Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Dritte Präsidentin Schmidt: Zum Wort gelangt Abgeordnete Karin Scheele, SPÖ.
Abg. Mag. Scheele (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Klinische Psychologinnen sind ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn es um mentale Gesundheit geht. Sie diagnostizieren, sie behandeln und sie betreiben Prävention. Das Bewusstsein, dass wir diese klinische Psychologie brauchen, dass wir mehr Ausbildungsplätze brauchen, hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, war ja lange Zeit nicht so das Thema bei der Gesundheitspolitik. Aber wir wissen, wir brauchen in diesem Bereich viele Experten und Expertinnen und deswegen haben wir von Anfang an den Antrag der Grünen begrüßt, die – wie die Kollegin Moser gesagt hat – ganz klar die Aufgaben im eigenen Bundesland benannt hätte, um hier zu mehr Ausbildungsplätzen und mehr ausgebildeten klinischen Psychologinnen zu kommen. Nachdem wichtige Teile auch im § 34-Antrag enthalten sind und sich wiederfinden, vor allem, dass man schaut, wie und wo man Ausbildungsplätze verbreitern kann, stimmen wir auch sehr gerne diesem § 34-Antrag zu. Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)
Dritte Präsidentin Schmidt: Zum Wort gelangt Abgeordneter Richard Punz, FPÖ.
Abg. Punz, BA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Die Ausbildungsstellen für die klinische Psychologie haben eine ganz besondere Bedeutung, nicht nur für die Fachentwicklung, sondern vor allem für die gesamte Gesellschaft. Dort, wo – und das gilt für viele Bereiche – dort wo Ausbildung stattfindet, wird nicht nur Wissen weitergegeben, dort entstehen Verantwortung, fachliche Identität und vor allem in diesem Bereich die Fähigkeit, Menschen in oft sehr belastenden Lebenssituationen kompetent zu begleiten. Die klinischen Psychologen arbeiten an einer sensiblen Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Menschlichkeit, zwischen Diagnostik und Beziehung, zwischen individueller Unterstützung und gesellschaftlicher Verantwortung. Eine gute Ausbildungsstelle ist deshalb weit mehr als ein organisatorischer Rahmen. Sie ist ein Lern- und Entwicklungsraum, in dem fachliche Qualität, ethisches Bewusstsein und reflektiertes Handeln wachsen können. Gerade in der Zeit, wo die psychischen Belastungen, kann man sagen, in allen Altersgruppen zunehmen, teils sogar rapide ansteigen, gewinnt diese Aufgabe ganz besonderen Stellenwert. Und umso wichtiger ist es, die Ausbildungsstellen nicht nur zu erhalten, sondern nachhaltig weiterzuentwickeln. Und unter nachhaltigen Weiterentwicklungen verstehe ich vor allem verlässliche Strukturen, denn Ausbildung braucht Zeit, Ausbildung braucht eine qualifizierte Anleitung, Supervision, Interdisziplinarität und vor allem ausreichend Ressourcen. Wer eine hohe Qualität erwartet, der muss auch bereit sein, die Bedingungen hierfür zu ermöglichen. Das heißt, Ausbildungsstellen dürfen nicht als Nebenschauplatz betrachtet werden, sondern als Investition in die Zukunft. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, dass die Ausbildungen laufend an neue gesellschaftliche und fachliche Anforderungen angepasst werden. Dazu gehört die Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, die digitalen Entwicklungen, Prävention, niederschwellige Versorgung und vor allem die enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Nur so bleiben die Ausbildungsstellen lebendig, relevant und vor allem zukunftsfähig. Und schließlich bedeutet die nachhaltige Weiterentwicklung auch, dass Menschen in der Ausbildung Wertschätzung entgegengebracht wird. Wer Verantwortung für andere übernehmen soll, braucht selbst eine gute Begleitung, Orientierung und auch Entwicklungsmöglichkeiten. Das heißt, gute Arbeitsbedingungen stärken nicht nur die Kompetenz, das wissen wir alle, sondern auch die Motivation und die langfristige Bindung an das Berufsfeld, was natürlich wünschenswert ist. Die Ausbildungsstellen für die klinische Psychologie sind daher weit mehr als ein Schritt auf dem Weg zur Berufsausübung. Sie sind ein Fundament für Qualität, für Menschlichkeit und die Zukunftssicherheit in der psychischen Gesundheitsversorgung. Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.)
Dritte Präsidentin Schmidt: Zum Wort gelangt Abgeordnete Marlene Zeidler-Beck, ÖVP.
Abg. Mag. Zeidler-Beck, MBA (ÖVP): Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Hoher Landtag! Wir haben die heutige Sitzung mit dem Thema Gesundheit begonnen, und ich freue mich, dass wir sie mit dem Thema Gesundheit abschließen, nämlich einem ganz, ganz wesentlichen Aspekt – die Kollegin Kollermann hat es schon gesagt: "Es gibt keine Gesundheit ohne die mentale Gesundheit" – und dass wir sie eben mit der mentalen Gesundheit beschließen. Es ist ein Themenbereich – da sind wir uns alle einig – wo es dringenden Handlungsbedarf gibt. Es ist auch ein Themenbereich – das möchte ich betonen – wo sich wahnsinnig viel entwickelt hat in den vergangenen Jahren. Und es ist ein Themenbereich, wo wir noch viel, viel stärker auf die Prävention, auf niederschwellige Angebote auch setzen müssen. Und wo insgesamt gilt: Wir müssen einfach noch viel, viel mehr über mentale Gesundheit sprechen und darum ist es, glaube ich, so gut und richtig, dass wir heute diesen Antrag vorliegen haben. Wir haben eine Situation in Niederösterreich, wo sich seit 2014 die Anzahl der Psychologinnen und Psychologen verdoppelt hat. Ich kann das selbst aus meinem beruflichen Alltag berichten. Wir haben Institutionen, die in diesen vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind, die sich gefestigt haben. Ich denke an die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie in der Hinterbrühl, die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, wo im Übrigen auch burgenländische Patientinnen und Patienten versorgt werden. Ich denke daran, dass die klinischen Psychologinnen und Psychologen heute im Alltag eine ganz, ganz wesentliche Rolle spielen in den Kliniken, in der Diagnostik, in der Therapie, in der Rehabilitation, und zwar nicht nur in den Psychiatrien, sondern auch in Bereichen wie der Psychosomatik, in Bereichen wie der Onkologie, wie in Bereichen der Palliativbegleitung und -medizin. Und gleichzeitig ist es eine Entwicklung, wo uns allen auch klar sein muss, wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen. Der Bedarf – das haben wir heute schon ausführlich debattiert – ist weiterhin da, er ist weiterhin gegeben. Psychische Belastungen nehmen weiter zu und wir müssen die Kapazitäten weiter ausbauen. Und dabei ist natürlich die Ausbildung zentral. Da geht es um zwei Dinge. Da geht es um höchste Qualität, die wir sicherstellen müssen, da geht es aber auch um das ausreichende Maß an Quantität. Und da ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig – das möchte ich vielleicht ergänzen zum Antrag der Grünen – dass wir die Psychologinnen und Psychologen immer als Teil eines Gesamtsystems sehen. Es darf kein Ungleichgewicht geben zwischen der Diagnostik auf der einen Seite und zwischen der Therapie auf der anderen Seite. Und deswegen ist, glaube ich, so wichtig, was dieser Antrag fordert, nämlich eine fundierte Evaluierung, eine stärkere Vernetzung und den gemeinsamen Anstrengungen mit dem Bund. Denn nur mit dem Bund gemeinsam kann es auch gelingen, dass wir die Ausbildungsmodelle flexibler machen, dass wir sie attraktiver gestalten, die Rahmenbedingungen, und dass wir eben ausreichend Nachwuchs für diesen so zentralen Bereich auch sichern. Und lassen Sie mich vielleicht zum Abschluss nochmal ganz zum Beginn kommen – nämlich bei dem, was am Anfang steht, bei der Prävention und bei den niederschwelligen Angeboten. Ich glaube, das ist so, so wichtig. Und im klinischen Bereich ist für viele so klar, ich sage das Beispiel: Wenn jemand Zahnweh hat, so unangenehm es ist, wir wissen alle, je früher ich zum Zahnarzt gehe, desto geringer wird der Eingriff vermutlich sein. Im psychischen Bereich ist es eine sehr, sehr ähnliche Situation. Auch da ist es so: Eine Depression, die frühzeitig behandelt wird, damit kann ich das Risiko senken für einen Klinikaufenthalt, kann letztlich auch Kosten senken, aber kann vor allem auch den betroffenen Patientinnen und Patienten, glaube ich, sehr, sehr viel Leid ersparen. Es gilt einfach: Wer früher hilft, der hilft doppelt. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir auf Prävention setzen und deswegen ist es so wichtig, dass wir auf niederschwellige Angebote setzen, eben etwa auch, wenn es darum geht, die Schulpsychologie zu stärken, weil wir da wirklich im direkten Lebensraum der Kinder und Jugendlichen sind. Und ich glaube, es ist aber auch so wichtig, dass wir noch viel, viel mehr über die mentale Gesundheit reden und darum bin ich sehr, sehr froh, dass wir morgen eine Landesausstellung eröffnen werden mit dem Titel "Wenn die Welt Kopf steht", wo es genau darum geht, dieses Zusammenspiel von Mensch, Psyche und Gesundheit zu thematisieren, wo es darum geht, zu sensibilisieren und wo es einfach ganz, ganz direkt darum geht, hinzuschauen und Verständnis aufzubauen. Ich glaube, genau das ist der richtige Weg im Sinne der besten Zukunft unserer Kinder. Und in diesem Sinn darf ich mich bei allen für die Unterstützung bedanken. Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP und Präs. Mag. Wilfing.)
Dritte Präsidentin Schmidt: Die Rednerliste ist erschöpft.
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