Zusammenfassung
Antrag des Gesundheits-Ausschusses
Verhandlungsgegenstand
- VerhandlungsgegenstandLtg.-908-1/XX-2026 – Nachhaltige Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen für klinische Psychologie
Video-Übertragung der Sitzung
Auszug aus dem Sitzungsbericht
Abg. Mag. Kollermann (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte meine Ausführungen heute mit einem Zitat beginnen, das die Dimension dieses Themas, um das es jetzt geht, auf den Punkt bringt. "Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit." Dieser Satz der WHO erinnert uns daran, welchem Stellenwert die psychische Gesundheit für unsere gesamte Gesellschaft hat. Wir stimmen diesem Antrag mit dem Ziel zur Erhöhung der Ausbildungsstellen für klinische Psychologinnen und Psychologen und auch mit der Erhöhung der Ausgaben für die Schulpsychologie ohne Einschränkung zu, denn er setzt dort an, wo die Realität uns längst eingeholt hat. Der Bedarf steigt, die Zahl der Fachkräfte muss aber mitwachsen. Die niederösterreichischen Kliniken haben den psychologischen Dienst bereits deutlich ausgebaut, die Ausbildungsqualität ist hoch und die Standorte sind breit gestreut. Es gibt 26 Ausbildungsstellen in 13 Kliniken in Niederösterreich, aber wenn wir über diesen Antrag sprechen, dann dürfen wir nicht bei der Versorgung stehen bleiben, sondern wir müssen die viel grundlegenderen Fragen stellen. Warum steigt die psychische Belastung in der Bevölkerung so stark? Psychische Erkrankungen entstehen nicht aus dem Nichts. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich in den letzten Jahren massiv verändert hat. Die Störfelder, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind, die sind größer geworden. Sozial, digital. Familien stehen oft unter großem Druck, sowohl organisatorischer als auch finanzieller Art. Erwachsene haben auch immer weniger Erholungsphasen, was mit den beiden vorgenannten Dingen auch zu tun hat. Und Arbeitswelten verändern sich schneller, als viele Menschen mitkommen. Das sind Entwicklungen, die psychische Belastungen verstärken – nicht punktuell, sondern strukturell. Und wenn wir diese Ursachen nicht angehen, dann werden selbst zusätzliche Ausbildungsstellen nur ein Reparatursystem bedienen. Warum sinkt die Resilienz? Resilienz ist keine individuelle Eigenschaft, also die Widerstandskraft, sondern ein Ergebnis guter Rahmenbedingungen. Menschen brauchen Selbstbestimmung, Gestaltungsspielräume und Entlastung dort, wo sie strukturell überfordert werden. Auch die Schulen sind eng getaktet. Immer mehr Inhalte werden in die vorhandenen Stunden gestopft und ich erinnere an die Diskussion im letzten Jahr, wo es um eine Entrümpelung des Lehrplans geht und gegen die dann doch einige wieder massiv auftreten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Herausforderung. Dort sind wir überhaupt noch nicht dort, wo wir hinmüssen. Und auch präventive Angebote sind noch zu gering vorhanden. Resilienz wächst dort, wo Menschen frei atmen können, nicht dort, wo Systeme sie unter Druck setzen. Wo kann die Politik hier konkret ansetzen? Prävention ist schon gefallen. Die Prävention muss verstärkt werden, sodass man nicht erst bei der Krise ansetzt, sondern im Vorfeld schon sehr viel abfedern könnte. Der Antrag betont auch zu Recht die Bedeutung der Schulpsychologie. Und sie braucht mehr Ressourcen, mehr Sichtbarkeit und vor allem Verlässlichkeit. Zweitens: Selbstbestimmung erhöhen. Wir brauchen flexiblere Bildungswege, moderne Arbeitszeitmodelle, echte Vereinbarkeit. Die Politik darf nicht die Verwaltung von Engstellen sein, sie muss Räume öffnen. Und drittens: Auch die gesellschaftliche Resilienz ist zu fördern. Wir können globale Herausforderungen nicht abschaffen. Krisen gehören zur Gegenwart und sie werden uns auch in der Zukunft treffen. Aber wir können uns damit befassen, wie Menschen befähigt werden, damit umzugehen, durch Gesundheitskompetenz, durch soziale Netzwerke – womit ich nicht Social Media meine, sondern im physischen Bereich – psychische Prävention. Das können wir beeinflussen. Wir können nicht jede psychische Krise verhindern, wir können nicht jedes gesellschaftliche Risiko ausräumen. Wir können aber Versorgung sichern, wir können Prävention aufwerten und Belastungen damit reduzieren. Der Antrag richtet sich ja hinsichtlich der Schulpsychologie vor allem an die Bundesregierung. Und da kann ich sagen, dass er an die richtige Stelle kommt, denn hier kann Minister Wiederkehr bereits auf seine Erfahrung zurückgreifen und ist auch dabei, die richtigen Schritte zu setzen. Und da freut er sich ganz sicher über Rückenwind aus den Ländern. Wir NEOS reden nämlich nicht nur, wir setzen um, wenn man uns lässt. In Wien wurden multiprofessionelle Teams aus Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen aufgebaut, "Mental Health Days" etabliert mit "School Nurses", ein neues niederschwelliges Unterstützungsangebot direkt in den Schulalltag geschaffen. Ein Beginn. Wir sind noch nicht dort, wo wir in der Ausbaustufe sein werden, aber es ist ein Beginn und man muss einmal aufhören damit zu sagen, was alles nicht geht, nur weil man nicht alles auf einmal machen kann. Auf Bundesebene hat der Bildungsminister Christoph Wiederkehr eine historische Personaloffensive gestartet. Die Zahl der Schulpsychologinnen wird in zwei Jahren jeweils um 70 Stellen erhöht und es gibt erstmals auch Bundesplanstellen für Schulsozialarbeit an AHS und BHS. Die Mittel für psychosoziale Unterstützung und Präventionsarbeit wurden ebenfalls deutlich aufgestockt. Das zeigt klar: NEOS erkennt den Bedarf und handelt. Gleichzeitig ist offensichtlich, wie groß die Herausforderungen bereits sind. Wenn Schulen Kinder früh auffangen können, Gewalt und Krisen präventiv verhindern und Lehrkräfte entlastet werden sollen, dann braucht es mehr qualifizierte Fachkräfte und daher ist dieser Antrag auch so wichtig. Deshalb müssen wir auch jetzt die Ausbildungsplätze für klinische Psychologinnen deutlich ausbauen, denn ohne Personal bleibt jede Reform nur auf dem Papier stehen. Dieser Antrag ist ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt. Die Weiterentwicklung der Ausbildungsstellen ist ein Baustein. Die eigentliche Aufgabe liegt darin, die Bedingungen so zu verändern, dass psychische Belastungen nicht mehr in diesem Ausmaß entstehen. Wenn wir mentale Gesundheit wirklich ernst nehmen, dann stärken wir nicht nur die Versorgung, wir stärken die Menschen. Das ist liberale Politik: Rahmen schaffen, die Freiheit, Gesundheit und Resilienz ermöglichen. Dem Antrag werden wir – wie ich zu Beginn gesagt habe – gerne zustimmen. Danke. (Beifall bei den NEOS.)
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