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Redebeitrag von Mag. Indra Collini  Aktuelle Stunde der Abgeordneten Kaufmann, MAS u.a. betreffend für die beste Zukunft unserer Kinder: Bildungschancen sichern statt praxisferner Schulexperimente

zur 38. Landtagssitzung

Zusammenfassung

Tagesordnungspunkt 2 der 38. Landtagssitzung der XX. Gesetzgebungsperiode am 28.05.2026

Verhandlungsgegenstand

  1. VerhandlungsgegenstandLtg.-993/XX-2026 – Für die beste Zukunft unserer Kinder: Bildungschancen sichern statt praxisferner Schulexperimente

Video-Übertragung der Sitzung

Auszug aus dem Sitzungsbericht

Abg. Mag. Collini (NEOS): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich wirklich sehr – trotz dieser inhaltlichen Dinge, die wir dann klarstellen werden, die da gerade gekommen sind – dass aber das Thema "Bildung" endlich auch bei der ÖVP und FPÖ in Niederösterreich angekommen ist. Und endlich gibt es Bewegung im Bildungsbereich und das ist gut so. Das ist gut für unsere Kinder, für die Eltern, für die Pädagoginnen, dass mit Christoph Wiederkehr endlich ein Bildungsminister da ist, der unsere Schulen ins 21. Jahrhundert holen möchte und auch in die Zukunft führen möchte. Ein Minister (Beifall bei den NEOS.), danke, der seit dem ersten Tag konsequent eine Maßnahme nach der anderen umgesetzt hat (Unruhe und Heiterkeit bei der ÖVP.) und der vor allen Dingen auch den Mut hat, den Mut, das Problem bei der Wurzel anzupacken (Abg. Lobner: Außerhalb von Wien kennt er sich nicht aus.) und große Reformen anzustreben. Dass die Dynamik bei euch in der ÖVP natürlich für Schnappatmung sorgt und bei der FPÖ sowieso ein marodes Teufelszeug ist, das überrascht mich überhaupt nicht. Aber diese ganze Aufgeregtheit, die ihr da habt, ist ja wirklich ein großer Vorteil, und dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Wir sprechen jetzt innerhalb kürzester Zeit das zweite Mal über Bildung hier im Plenum. Und wie wichtig das ist, das zeigt schon... also das zeigen deine Statements, Kollege Kaufmann, auch die Statements von der Landeshauptfrau abwärts. Der bildungspolitische Entwicklungsauftrag in dieser NÖ Landesregierung, der ist wirklich enorm. Schauen wir einmal hin, das pädagogische Konzept der FPÖ: Also der Parteichef Kickl hat gerade – diese Woche war es – wieder gesagt, dass die Ohrfeige wieder ins Klassenzimmer gehört. Ja, ich meine, ich glaube, damit ist auch schon alles gesagt zur bildungspolitischen Kompetenz der FPÖ. Und der ÖVP, der geht es natürlich zu schnell, wenn ein Bildungsminister liefert. Das überrascht mich nicht, dass ihr da aufgeregt seid, weil ihr seid Stillstand gewohnt. Und ich kann mich erinnern... also das einzige Highlight am Kollegen Polaschek, an eurem Bildungsminister, ich glaube, an das sich alle erinnern können, das war seine Pressekonferenz, die er gegeben hat zu seiner neuen Frisur, als er sich damals die Haare abschneiden lassen hat. Das ist das, was von seiner Ära übriggeblieben ist. Ja, und nun gibt es endlich einen Bildungsminister, der eine Vision hat, der jedem Kind die Flügel heben möchte und der dieses Ziel auch ganz konsequent verfolgt. Die Reaktion der ÖVP NÖ: Man wirft den Betonmischer an und man rückt mit der Lehrergewerkschaft aus. Was hat er denn gesagt, euer oberster Lehrergewerkschafter Kimberger? Der hat wirklich gesagt – das muss man sich vorstellen: "Eine einzig gute Reform im Bildungsbereich ist keine Reform." Da ist ja ganz klar, worum es euch in der ÖVP geht. Es geht darum, dass alles so bleibt, wie es immer war, weil man es immer so gemacht hat. Ihr seid wirklich steckengeblieben im letzten Jahrhundert, denn es geht euch nicht darum, unsere Kinder unter Berücksichtigung neuer, wissenschaftlich fundierter pädagogischer Mittel und Konzepte gut auf die Welt von morgen vorzubereiten. Unsere Kinder brauchen Werkzeuge für die Anwendung von künstlicher Intelligenz. Ihr gebt ihnen eine Bedienungsanleitung für einen Overhead-Projektor. (Abg. Michlmayr: Weißt du, was das kostet?) So schauen unsere Weltbilder da aus. Und Fakt ist – und da muss ich dir, Kollege Kaufmann, wirklich widersprechen – Fakt ist, wir haben im österreichischen Bildungssystem in Wien, ja, aber auch in allen anderen Bundesländern ein massives Problem. Wir entfalten die Talente unserer Kinder nicht optimal, und wir geben ihnen nicht die besten Chancen mit für eine gute Zukunft. Und die Zahlen und Daten, Fakten sprechen hier ganz eine eindeutige Sprache: 25 Prozent der jungen Menschen, die in Österreich die Schule verlassen, können nicht sinnerfassend lesen. Das ist ein Viertel. Das ist so viel von einer Kohorte. Bildung in Österreich hängt vorrangig davon ab, in welche Familie du hineingeboren bist. Und diese Ungerechtigkeit, die wir hier haben in Österreich, die ist international. Da sind wir Spitzenreiter. 16 Prozent aller Schülerinnen hierzulande, die zählen laut PISA zur Risikogruppe. Na, was heißt denn das? Wenn du in dieser Gruppe gelandet bist, dann hast du schlechte Chancen für eine abgeschlossene Berufsausbildung, für ein stabiles Einkommen, für eine gesellschaftliche Teilhabe. Das sind diejenigen Kinder, die wir direkt von der Schule ins AMS schicken. Und das sind die Kinder, wo die Unternehmerinnen und Unternehmer, von denen du gesprochen hast, sagen, sie können nicht mehr Grundrechnungsarten und lesen. Auch wenn wir auf unsere Leistungen schauen – Leistung ist wichtig. Da bin ich wirklich auch der Meinung. Aber im internationalen Vergleich müssen wir uns nicht hervortun. Die Leistung unserer Kinder, die ist maximal Durchschnitt und die Tendenz ist sinkend. Und ich kann Ihnen auch sagen – ich glaube, da sind wir uns einig – das liegt nicht daran, dass die österreichischen Kinder dümmer sind. Ich glaube, das glaubt hier herinnen wohl auch niemand und es liegt auch nicht daran, dass unsere Pädagoginnen wohl weniger engagiert sind. Es liegt daran, dass wir im Bildungssystem in Zeiten Maria Theresias steckengeblieben sind. Und wir müssen das Bildungssystem endlich modernisieren, auf die Höhe der Zeit bringen, neue Fächer braucht es genauso wie neue Strukturen. Das System, das wir gebaut haben – und ja, das ist die frühe Trennung bereits nach vier Jahren – das ist ein Teil des Problems. Und ich finde es wirklich lächerlich, und es zeugt so etwas von Unwissenheit, wenn man das als "Experiment" bezeichnet. Fakt ist: Kaum ein anderes Land in Europa macht das nämlich so wie wir. Diese längere gemeinsame Zeit in der Grundschule, die ist die Regel. Wir sind die Ausnahme, wir sind das Experiment, und wir sollten dieses Experiment endlich beenden. Österreich und Deutschland sind die einzigen OECD-Länder, die Kinder bereits mit 10 leistungsmäßig trennen. (Abg. Kaufmann, MAS: Das sind die Einzigen, die es haben.) Und die frühe Selektion – Achtung, jetzt kommt ganz ein wichtiger Satz – diese frühe Selektion erhöht nachweislich die Bildungsungleichheit ohne die Gesamtleistung zu verbessern. Na, was heißt denn das? Diese frühe Aufteilung von Kindern, die macht das Schulsystem ungerechter, und sie bringt für die Leistung nichts. Das ist ja "lose-lose". Das sagt der Andi Schleicher, das ist der Mr. PISA, der sagt: "Keines der Länder mit stärkerer frühzeitiger Leistungsgruppierung zählt zu den leistungsstärksten Bildungssystemen." Und der muss es wissen, der kennt alle Zahlen in der OECD. Entwicklungspsychologisch wissen wir, zehn Jahre ist zu früh, weil die Kinder sich einfach nicht gleich schnell alle entwickeln. Und was machen denn die PISA-Sieger? Estland, Finnland, die Schweiz, Japan, ...hm, komisch, in all diesen Ländern gibt es eine sechsjährige Grundschule, also eine spätere Selektion. Das Ergebnis: Bildungsungerechtigkeit gibt es dort nicht so ausgeprägt und die Leistungen sind wesentlich besser. Die Leistungen, die euch so wichtig sind. Also, wie kann man so hirnverbrannt sein? (ÖVP und GRÜNE: Ooooooh!) Da werde ich wirklich emotional, weil die wissenschaftliche Evidenz, die ist eindeutig. (Unruhe bei ÖVP und GRÜNE.) Und ich komme jetzt auch zu meiner persönlichen Erfahrung, und ich gehe davon aus, viele hier herinnen, die meisten hier herinnen haben Kinder. Ich bin Mutter von zwei Kindern, und ich kann mich erinnern, wie das war in der Volksschule. Wenn es in der dritten Klasse losgeht – da sind die Kinder acht Jahre alt – wenn es darum losgeht, die Diskussion, in welche Schule das Kind später geht. Der Stress steigt nämlich, ob es das Kind schafft ins Gymnasium, ob es "nur" für die Mittelschule reicht. Es ist ein unfassbarer Druck für die Eltern, für die Kinder, für die Lehrerinnen. Und gerade für die Kinder heißt das auch, das hat immer etwas mit Abwertung zu tun. Und wir wissen– wie gesagt – Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell und die Trennlinie bei neun zu setzen, das ist einfach viel zu früh. Und jeder, der ein Kind hat, der weiß das, und die Evidenz, die bestätigt das. Aber nachdem sich die ÖVP offensichtlich nur damit beschäftigt, also dass grundsätzlich alles, was von anderen kommt ein Blödsinn ist – den Chancenbonus habt ihr immer noch nicht verstanden, dass es dort darum geht, dass man genau... (Abg. Lobner, Na dann kannst du es einmal erklären.)... das habe ich das letzte Mal erklärt, dann hättest du zugehört, Kollege Lobner, ich habe dann etwas zum Lesen mit (Abg. Lobner: Erkläre einmal die Formel. Zeig sie einmal die Formel. Ich habe es immer noch nicht verstanden.), das zeugt auch in dem Fall, dass sinnerfassendes Lesen fehlt, genau. Und jetzt reduziert ihr das Thema darauf, dass ihr wirklich die räumliche Situation hier vorschiebt. Also solche Mauern im Schädel, das muss man echt einmal haben. Ich sage euch, wie diese Schule der Zukunft – eine sechsjährige Schule – aussehen könnte. Und übrigens für all jene, die es nicht verstanden haben: Es gibt den "Plan Zukunft" vom Bildungsminister, auch für die Grünen, die meinen, das hat alles keinen Plan. Da ist sehr viel Text drin, unterscheidet sich von den Berichten der NÖ Landesregierung, da ist alles zum Nachlesen drin. So, der Plan Zukunft, die sechsjährige Volksschule: Also es geht darum, dass diese harte institutionelle Trennlinie, die wir haben, erst dann erfolgt, wenn die Kinder schon reifer sind. Es geht darum, dass die Kinder mehr Zeit haben zum gemeinsamen Lernen, um sich gemeinsam zu entwickeln und ganz unabhängig von der sozialen Herkunft. Es geht darum, dass diese Bildungswegentscheidung später fällt und das den Druck herausnimmt, dass die Klassengemeinschaften länger erhalten bleiben, was die sozialen Bindungen hier stärkt. Und es geht nicht automatisch darum, dass alle Kinder so quasi das Gleiche lernen müssen. Diese Leistungsdifferenzierung, die wir natürlich brauchen, weil Kinder unterschiedlich sind, die erfolgen im Inneren der Schule, aber nicht im Außen durch die Aufschrift "Gymnasium", du bist gescheit und "Mittelschule", du bist zu dumm, leider nicht geschafft. (Abg. Krumböck, BA: Was ist das für eine Einstellung gegenüber der Mittelschule? – Abg. Heinreichsberger, MA: Was soll das? Das ist skandalös!) In dieser Schule gibt es Unterricht in heterogenen Gruppen, es gibt temporelle Leistungsgruppen, es gibt hohe Durchlässigkeit (Unruhe bei der ÖVP.), es gibt Lernangebote und Projekte, die sind klassen-, alters- und gruppenübergreifend. Es gibt interessens- und begabungsunterschiedliche Kinder, die werden auch unterschiedlich gefördert. Kinder, die mehr Aufmerksamkeit brauchen, die werden zielgerichtet unterstützt. (Unruhe bei der ÖVP.) Und ich sage Ihnen jetzt etwas: Das sind keine Tagträume, ihr Murmler, weil ich weiß schon, eure Antwort ist immer so: "Das geht so nicht." (Unruhe bei der ÖVP.) Ihr sagt immer das, so wie ihr es gewohnt seid. Aber ich kann Ihnen sagen: Es geht. Mein Sohn war in einer solchen Schule, in der er in dieser Weise unterrichtet wurde. Es war eine Mehrstufenklasse, eine öffentliche Schule. Eine Mehrstufenklasse mit 25 Kindern, von der ersten bis zur vierten Schulstufe sind die gemeinsam unterrichtet worden. Das geht. Und es sind sogar Integrationskinder dort noch unterrichtet worden. Auch – kann ich sagen – das geht. Ich habe gesehen, wie hervorragend das funktioniert, wie Kinder dann unter Anleitung von der Lehrerin selbstständig in kleinen Gruppen miteinander lernen, voneinander lernen, die, denen fad ist, die kriegen mehr Aufgaben, die die Unterstützung brauchen, da setzt man sich in kleinen Gruppen zusammen und die arbeiten dann miteinander. Ich kann Ihnen sagen, die Integrationskinder haben alle ihren Weg gemacht. Die haben alle heute Jobs, stehen gut im Leben. So manches schwache Kind hat die Matura geschafft. Mein eigener Sohn hat dieses Experiment (Abg. Heinreichsberger, MA: Was hat der Wiederkehr in Wien gemacht?) übrigens dann so absolviert, dass er das Gymnasium in sieben anstatt in acht Jahren gemacht hat. (Abg. Krumböck, BA: Gratuliere!) Also ich weiß, dass das auch mit Leistung geht. Ich weiß, wovon ich rede. Ich weiß, wie das geht. Die Evidenz belegt, dass eine längere gemeinsame Grundschule – und genau in der ausgeschilderten Art und Weise – für unsere Kinder nicht weniger, sondern mehr Chancen bedeutet. Und das erwarte ich mir von der Landesregierung: Dass Sie endlich diese Fakten ernst nehmen, dass Sie zum Ermöglicher werden, und nicht Sie sind der ideologische Reformverweigerer, weil Sie jede Evidenz ignorieren. Österreich hat kein Gold. Österreich ist kein Ölstaat. Seltene Erden haben wir auch nicht. Unser wichtigster Rohstoff, das ist die Bildung. Und genau darum wünsche ich mir, dass Niederösterreich endlich mit dieser wirklich kindischen Blockadehaltung aufhört und nicht weiter der reformunfähige Bremser ist. Ich will, dass wir Zukunftsregion werden. Ich will, dass wir viele Pilotregionen in Niederösterreich einrichten, weil das ist der geplante nächste Schritt vom Bildungsminister. Freiwillige Pilotschulen, die sagen: "Ich will das, ich will das ausprobieren." Und natürlich wird das auch alles wissenschaftlich begleitet. Ich will, dass Niederösterreich ganz vorne mit dabei ist, wenn es darum geht, allen Kindern die Flügel zu heben. (Beifall bei den NEOS.)

Abweichungen zwischen Text und Video möglich.

Gesamtvideo der LandtagssitzungGesamter Sitzungsbericht als PDF (821 KB)

Zur Person

Kontaktdaten

Wohnbezirk:
Mödling
Klub/Fraktion:
Landtagsfraktion der NEOS Niederösterreich (ohne Klubstatus)
Wahlpartei:
NEOS – Das Neue Niederösterreich

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