Zusammenfassung
Verhandlungsgegenstand
- VerhandlungsgegenstandLtg.-993/XX-2026 – Für die beste Zukunft unserer Kinder: Bildungschancen sichern statt praxisferner Schulexperimente
Video-Übertragung der Sitzung
Auszug aus dem Sitzungsbericht
Abg. Schindele (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Landesregierung! Hoher Landtag! Ja, "für die beste Zukunft unserer Kinder", damit beginnt die Aktuelle Stunde, das ist der erste Teil des Titels. Und der Bildungsbereich ist ein umfassender Bereich, und deswegen ist es immer schwierig, wo beginnt man? Ich habe jetzt den Vorrednerinnen und -rednern zugehört und das, was immer gekommen ist: Testungen, Vergleiche evaluieren. Testungen, Vergleiche, evaluieren. Und deswegen war ich genau richtig im Vorfeld, dass ich mir überlegt habe: Okay, was sind eigentlich die Hauptaufgaben der Schule? Weil, wenn du in der Schule immer nur hörst: Testungen, Vergleiche, evaluieren – also die Motivation bei den Kindern, aber auch bei den Lehrerinnen hält sich auch in Grenzen. Natürlich gehören Testungen dazu, aber wir haben noch wesentlich mehr Aufgaben. Es gehört dazu, dass wir die Kinder auf das Leben und auf die Gesellschaft vorbereiten. Natürlich gehört die Vermittlung von Fachwissen und von Kompetenzen, von Schlüsselkompetenzen dazu. Es gehört aber auch eine Wertevermittlung dazu und eine Sozialisation: Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? Eine Demokratiebildung – ganz wichtig – verbunden mit einer Förderung der Persönlichkeitsentwicklung zur Selbstständigkeit. Es geht um Talente, es geht um Interessen, es geht um Neugierde. Es geht darum, dass die Schülerinnen und Schüler, die den Pädagoginnen und Pädagogen anvertraut sind, irgendwann Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen können. Und wenn wir uns das jetzt anschauen, ja, dann ist das ganz schön viel, was die Schule leisten muss. Und damit das auch gelingt, brauchen wir die bestmöglichen Rahmenbedingungen, die das Gelingen hier auch garantieren. Ich habe Erfahrungen in verschiedenen Schultypen, ich habe schon in verschiedenen Schultypen unterrichtet. Und eines steht dabei im Vordergrund: Ohne Beziehungsarbeit passiert genau gar nichts. Ohne Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern kannst du die beste Vorbereitung haben, das modernste Schulgebäude, aber es bringt dir genau gar nichts. Und deshalb braucht es Konzepte und Rahmenbedingungen, die diese Beziehungsarbeit, die geleistet werden muss, auch unterstützt. Und dass wir diese Konzepte brauchen, dass wir die Reformen brauchen, ich glaube, da sind wir uns hier herinnen alle einig. Aber diese Konzepte, diese Pläne können nur gelingen, können nur goutiert werden, wenn alle Schulpartner und alle Bildungspartner im Boot sind – nämlich im Boot, bevor es darum geht, diese Pläne in die Umsetzung zu bekommen. Und deswegen: Bildungsreformen brauchen mehr als Schlagzeilen. Wir brauchen echte Konzepte, Herr Minister. (Beifall bei der SPÖ, der Dritten Präs. Schmidt, Teilen der ÖVP und LR Mag. Teschl-Hofmeister.) Ich habe schon in meiner letzten aktuellen Rede gesagt, und das gilt noch immer: Bildungsinstitutionen gegeneinander auszuspielen, das hat sich noch nie für gut dargestellt – auch in der Vergangenheit nicht. Und wir als SPÖ sind der Meinung: Wir sind klar für ein längeres gemeinsames Lernen, und deshalb setzen wir uns auch weiterhin für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen ein (Beifall bei der SPÖ und der Dritten Präs. Schmidt.), weil genau in diesem Alter passiert viel. Es werden lebensentscheidende Weichen gestellt. Es geht darum: Wohin geht der Weg nach der Pflichtschule? Wie schaut es aus? In welchem Bereich – wenn ich jetzt an die Berufsorientierung denke – möchte ich mich vertiefen? Und hier ist auch gesagt: Unser klares Bekenntnis zur Polytechnischen Schule. Es ist ein wichtiger Teil des Bildungssystems, und wir stehen klar hinter der Polytechnischen Schule. (Beifall bei der SPÖ und der Dritten Präs. Schmidt.) Und zum letzten Vorschlag des Ministers – eine Verlängerung der Volksschule auf 6 Jahre – das ist für uns nicht der Weisheit letzter Schluss. Vor allem – und ich wiederhole mich hier gerne – weil Reformen im Bildungssystem nicht über Medienankündigung passieren können. Ich brauche alle Beteiligten im Boot. Alle Beteiligten müssen miteinander hier einen Plan ausarbeiten, und ich muss natürlich auch die Gegebenheiten, die vorhanden sind, kennen. Und als Pädagogin war ich und bin ich in verschiedenen Volksschulen unterwegs in Niederösterreich. Ich kenne die Personalsituation, ich kenne die örtlichen Gegebenheiten. Und ich frage mich wirklich, wie das gelingen soll? Ich bezweifle, dass die Gemeinden überhaupt den Platz dafür zur Verfügung hätten. Ich bezweifle, dass das Geld dafür da ist. Aber ich bin mir sicher, das hat der Herr Minister natürlich mitbedacht. Und wir werden auch hier – das erwarte ich mir – wahrscheinlich medial in einem Konzept präsentiert bekommen, dass die Finanzierung, und dass die nötigen Änderungen bzw. Umbauten in der Infrastruktur für seine Vorhaben stehen, dass er das Geld hier zusammengebracht hat. In letzter Zeit habe ich mir oft gedacht: Was denkt sich der Herr Bildungsminister dabei? Ich kann die Vorstellungen des Bildungsministers oft nicht nachvollziehen, und da habe ich mir gedacht, vielleicht lerne ich ihn besser kennen, wenn ich einmal eine Recherche anstelle, wenn ich ihn einmal google, einmal schaue: Was möchte er überhaupt? Und bei dieser Recherche bin ich auf einen Satz gestoßen, wo er über sich selbst schreibt, und dieser Satz beginnt so: "Mit 15 Jahren hatte ich den Ruf, unkooperativ zu sein." Meine Recherche war sofort beendet. (Heiterkeit bei der ÖVP.) Diese Recherche war sofort beendet, genauso schnell, wie sie auch begonnen hat. Hoher Landtag, ich glaube meine Botschaft ist klar angekommen. Wir brauchen neben vielen anderen Sachen klare, zu Ende gedachte Konzepte, die Einbindung aller Beteiligten, die das auch umsetzen sollen. Wir brauchen ausreichend Personal, und hier gebe ich nur einen kleinen Tipp, etwas, das ich sofort unterstützen würde: Wie wäre es – weil, wie wir auch schon gehört haben, Schülerinnen und Schüler entwickeln sich unterschiedlich schnell – wenn ich zwei Pädagogen, zwei Pädagoginnen in der Schuleingangsphase installieren würde und das Ganze zwar durchgehend. (Abg. Müller, Bsc: Wenn du mir sagst, wo du die herhast?) Und wir brauchen neben dem Ganzen natürlich auch die notwendige Infrastruktur. Herr Minister, zum Abschluss sei Ihnen gesagt: Wer Bildungsreformen ernst meint, muss Antworten liefern, nicht nur Schlagzeilen produzieren! Danke. (Abg. Kaufmann, MAS: Nicht schlecht. – Beifall bei der SPÖ, der Dritten Präs. Schmidt, Teilen der ÖVP und LR Mag. Teschl-Hofmeister.)
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- Wohnbezirk:
- St. Pölten
- Klub/Fraktion:
- Klub der Sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Niederösterreichs
- Wahlpartei:
- Sozialdemokratische Partei Österreichs