Zusammenfassung
Verhandlungsgegenstand
- VerhandlungsgegenstandLtg.-993/XX-2026 – Für die beste Zukunft unserer Kinder: Bildungschancen sichern statt praxisferner Schulexperimente
Video-Übertragung der Sitzung
Auszug aus dem Sitzungsbericht
Abg. Mag. Ecker, MA (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Landesrätinnen! Hohes Haus! Die ÖVP hat diese Aktuelle Stunde zum Thema Bildung eingebracht. Und wenn ich mir den Kollegen Kaufmann ...wenn ich ihm so zugehört habe und auch den Aussendungen der letzten Tage, frage ich mich schon, ob die ÖVP nicht ein bisschen eine Identitätskrise hat, weil man gibt sich hier als – man hat fast den Eindruck – als Oppositionspartei. Ich darf nur erinnern daran: Die ÖVP ist Teil der Bundesregierung. Die ÖVP ist in Niederösterreich seit Jahrzehnten für die Bildung verantwortlich. Und die ÖVP hat auch einige Jahre im letzten Jahrzehnt die Bildungsminister – nämlich Faßmann und Polaschek – gestellt. Und das muss man wirklich schon einmal ausführen. Hier wird so dargestellt: Das Problem ist allein Wien und rundherum ist die heile Ordnung. (Abg. Mag. Scheele: Das glaubt eh niemand.) Kollege Kaufmann, gerade du als Wirtschaftssprecher – ich bin auch viel bei Unternehmen in der Region in Niederösterreich unterwegs, ich bin überzeugt, du auch – und da höre ich auch bei den Unternehmen, dass sie immer wieder Lehrlinge haben mit 15 aus Niederösterreich, die nicht sinnerfassend lesen können. Die nicht gut rechnen können. (Heiterkeit bei der ÖVP und Abg. Dr. Krismer-Huber. – Abg. Erber, MBA: Die sind aus Wien gekommen.) Also, wir haben auch in Niederösterreich diese Probleme, und wenn man da beide Augen verschließt, wenn man beide Augen vor diesen Problemen verschließt, dann wird es keine Verbesserung geben. So viel ist sicher. Wir haben PISA-Ergebnisse, die tendenziell – vor allem beim Lesen und in Mathematik – schlechter geworden sind. Wir haben einen Lehrermangel, der völlig verschlafen worden ist von der ÖVP in der Vergangenheit. Ich kann mich noch erinnern, wie ich Matura gemacht habe, an die Frau Gehrer, die unserer Generation gesagt hat: "Werdet ihr ja nicht Lehrer, weil wir haben eh genug." Nur, da war aber schon absehbar, wie sich die Bevölkerungspyramide entwickelt, und genau meine Generation fehlt heute in den Klassenzimmern. (Abg. Lobner: Das ist eine gefragte Berufsgruppe.) Die fehlen heute in den Klassenzimmern, unter anderem, weil die ÖVP, Kollege Lobner, das verschlafen hat. Die Bildungsschere geht immer weiter auf. Es macht einen Unterschied heute, und es macht einen immer größeren Unterschied, ob man ...ob ein Kind aus einer einkommensschwächeren Familie kommt oder aus einer eher wohlhabenden Familie, da ist dann der Bildungserfolg entsprechend unterschiedlich und das kann nicht sein, weil jedes Kind verdient dieselben Chancen in unserem Bildungssystem, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN und den NEOS. – Abg. Kainz: Das sind vier Jahre, die sie eh haben. Die haben sie ja eh!) Das heißt: Also, ich bin überzeugt, wir brauchen Veränderungen. Wir brauchen auch in Niederösterreich diese Veränderungen. Da kann man sich nicht, werte Kolleginnen und Kollegen, verstecken. Das heißt aber nicht, dass jede Kritik am Minister Wiederkehr hier verkehrt ist. Denn Reformen – das haben wir in der Sache mit Latein gesehen – Reformen brauchen einfach Menschen, die mitkommen, die sie aktiv auch umsetzen und unterstützen wollen. Und wenn man ständig alle paar Wochen herkommt und ein neues Thema aufmacht, das nicht ausgegoren ist, dann verliert man natürlich die Unterstützung derer, die die Reformen umsetzen müssen. Und das erleben wir ...haben wir bei Latein erlebt, und das erleben wir auch jetzt, dass das alles nicht zu Ende gedacht ist. Dass nicht klar ersichtlich ist: Was soll denn am Ende stehen? Was soll denn am Ende herauskommen? Was ist denn die Vision für die österreichische Schule im Gesamten? Reden wir darüber, was aus unserer Sicht die Kinder wirklich brauchen. Es muss unumstritten sein. Es muss einmal das Problem erkannt werden, das haben wir schon gehabt. Es muss aber unumstritten sein, dass mit 15 Jahren Kinder in Niederösterreich aus der Schule kommen müssen und lesen und schreiben können müssen. Das sind leider keine Einzelfälle. Die Kollegin hat die Zahl genannt, und das ist auch nicht nur Wien. Das ist in ganz Österreich ein Problem, und das ist ein Systemversagen auch im Bildungssystem, wenn das so ist. Und die ÖVP hat es nicht besser gemacht mit den Deutschseparierungsklassen, die den Schulen aufs Auge gedrückt wurden, wo die Kinder nachweislich, mittlerweile, schlechter die Sprache können als davor, wenn sie mit den Gleichaltrigen unterrichtet werden, wenn sie von den Gleichaltrigen lernen. Und wo ist die ÖVP dagegen? Wo ist die FPÖ dagegen? Wenn es wirklich um Sprachförderung geht, im Kindergarten, dort, wo wir den Kindern am besten beibringen können, wie sie die Sprache, die deutsche Sprache, erlernen, da mauert die NÖ Landesregierung aus ÖVP und FPÖ. Und das geht nicht mehr, weil wir brauchen ...wir müssen den Kindern schon im Kindergarten die Sprache näherbringen und brauchen dort gezielt die Sprachförderung. Die Schule selbst, auch da gibt es großes Potenzial. Und Kollege Kaufmann hat zwei Punkte angesprochen, die völlig unterstützenswert sind, die aber das Land NÖ zumindest großteils umsetzen kann – nämlich kleinere Klassen zu etablieren und Supportpersonal zur Verfügung zu stellen. Weil das wäre wirklich eine Entlastung für die Pädagoginnen und Pädagogen, dass klar ist, wenn eine Schülerin, ein Schüler ein psychologisches Problem hat, ein soziales Problem hat, dass da eine Person ist, die fachlich gut ausgebildet ist, eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin, ein Sozialarbeiter, wo ich hingehen kann und sagen kann: Bitte kümmere dich doch um das Problem, das dieses Kind hat. Das entlastet die Pädagoginnen, und die können sich dann endlich wieder darauf konzentrieren, wofür sie in der Klasse stehen, nämlich um den Unterricht voranzubringen, um die Inhalte zu unterrichten. Dort müssen wir hin, sehr geehrte Landesregierung. Supportpersonal. Wir brauchen auch eine Schule, die kein Kind zurücklässt. Und da ist eben diese frühzeitige Förderung so wichtig. Was wir im Kindergarten investieren, sparen wir uns mehrfach im weiteren Bildungsverlauf. Die Sprachförderung, wenn ein Kind in die Volksschule ...vor der Volksschule, wenn festgestellt wird, dass die Sprache nicht optimal ist, dann muss ich genau dort investieren und das Kind so fit machen im vorletzten und letzten Kindergartenjahr, damit in der ersten Klasse dem Unterricht gefolgt werden kann. Und drittens brauchen wir eine Schule, die auf die Herausforderungen der Welt vorbereitet. In der Welt, in der die Kinder aufwachsen, die wird geprägt sein von einer Klimakrise, die wird geprägt sein von neuen Technologien, von künstlicher Intelligenz. Und das bedeutet für den Unterricht als Gesamten, nicht in einzelnen Fächern, sondern insgesamt: Klimabildung, kritisches Denken zu fördern, zu etablieren, digitale Kompetenz und Medienkompetenz. Auch da ist noch viel Luft nach oben. Und zuletzt: Bildungschancen enden nicht nach neun Jahren Schule. Bildungschancen enden nicht nach der Schulzeit, sondern da geht es auch sehr stark um die höheren Schulen, um die Universitäten. Und was da für ein Kahlschlag geplant ist von der Bundesregierung aus ÖVP, NEOS und SPÖ, die auch die zuständige Ministerin stellen, das ist wirklich eine Gefahr für den Bildungsstandort Österreich, für den Wirtschaftsstandort Österreich, und da vermisse ich auch den deutlichen Protest der NÖ Landesregierung. Bildungschancen sichern, ja, da stehen wir dahinter. Die sind aber vor allem deswegen ungleich, weil hier auch in Niederösterreich seit Jahren gemauert wird. Wir Grüne wollen eine Schule, in der nicht die Herkunft – die soziale Herkunft – bestimmt, wo und in welcher Schule es landet und welche Chancen es hat. Das ist das Experiment, dass es wert wäre, gewagt zu werden, damit jedes Kind dieselben Chancen hat. Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.)
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