Konferenz der Landtagspräsidentinnen und -präsidenten in Hainburg: Aus Randlage wird eine Zukunftsregion


Unmittelbar vor den Toren Bratislavas fand die Herbst-Konferenz der österreichischen Landtagspräsidentinnen und Landtagspräsidenten statt. Niederösterreichs Landtagspräsident Karl Wilfing hat im zweiten Halbjahr den Vorsitz inne und wählte Hainburg als Tagungsort, da die Region zwischen Wien und Bratislava beispielhaft für die wirtschaftliche Dynamik und das zunehmende Zusammenwachsen von Lebensräumen über Staatsgrenzen hinweg steht. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz waren Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs, der Südtiroler Vize-Präsident Arnold Schuler sowie die niedersächsische Landtagspräsidentin Hanna Naber, die die aktuelle Vorsitzende der Konferenz der deutschen Landtagspräsidentinnen und Landtagspräsidenten ist. Bei einer anschließenden Pressekonferenz informierte Präsident Wilfing gemeinsam mit seiner burgenländischen Kollegin Astrid Eisenkopf über wichtige Themen der Tagung.
„Nicht auf den wirtschaftlichen Erfolgen ausruhen“
Flughafen-Vorstand Günther Ofner präsentierte die Entwicklung der Ostregion seit der EU-Erweiterung 2004. Wien, Niederösterreich und das Burgenland erwirtschaften heute rund 43 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig sind Wien, Bratislava, Brno und Győr wirtschaftlich eng verflochten. „Günther Ofner hat uns deutlich gemacht, dass das, was früher Randlage war, heute mitten in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum liegt. Kapital, Arbeitskräfte, Forschung und Lieferketten machen längst nicht mehr an Staatsgrenzen Halt. Gleichzeitig mahnte der Flughafen-Vorstand, dass Europa im globalen Wettbewerb unter Druck steht und wir uns auf den Erfolgen der vergangenen Jahrzehnte nicht ausruhen können. Unsere Regionen – wie eben die Region Wien-Bratislava-Győr – werden stärker, wenn sie ihre Stärken miteinander verbinden“, reflektierte Wilfing die Ausführungen von Ofner.
„Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger“
Wie das konkret funktioniert, zeigt das Bratislava-Umland-Management BAUM, das Bratislava, Niederösterreich und das Burgenland seit November 2025 gemeinsam betreiben. Die Arbeitsgemeinschaft BAUM koordiniert grenzüberschreitende Projekte und fungiert als Ansprechpartner für konkrete Anliegen – von Kultur und Klimaschutz bis zu Raumordnung und Mobilität. „Die Menschen wohnen auf der einen Seite der Grenze und arbeiten oder absolvieren ihre Ausbildung auf der anderen. Sie fahren zum Einkaufen, zur Schule oder zum Arzt über die Grenze. Gemeinden und Lebensräume wachsen über Staatsgrenzen hinweg zusammen. Kurz gesagt: Aus zwei Staaten – wenn man Ungarn mitdenkt, aus drei – wird eine gemeinsame Region. Gerade hier haben auch die Länder Verantwortung: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit muss am Ende vor Ort funktionieren“, so Landtagspräsident Wilfing, der als Beispiel die Zusammenarbeit der Regionen im Bereich des grenzüberschreitenden Verkehrs nannte.
Seine burgenländische Kollegin, Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf, ergänzte beim Pressegespräch: „Das Burgenland ist nicht einfach eine Randregion Österreichs. Es liegt mitten in einem europäischen Grenz- und Entwicklungsraum. Wir haben hier als Land eine sehr strategische Position, die für die gesamte Raumentwicklung, die regionale Wirtschaft, aber auch für den öffentlichen Verkehr von enormer Bedeutung ist.“ Vor allem die Gemeinden rund um Kittsee waren in den vergangenen Jahren besonders stark vom Zuzug aus der Slowakei betroffen. Mittlerweile haben viele slowakische Staatsbürger aus Bratislava ihren Lebensmittelpunkt in einer der umliegenden burgenländischen Gemeinden. „Das hat natürlich direkte Auswirkungen auf das Burgenland. Pendler- und Verkehrsströme ändern sich und verändern damit auch Wirtschaftsstrukturen. Daher braucht es eine gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit und entsprechende Vernetzungen mit allen Regionen“, betonte die Landtagspräsidentin.
Das Burgenland hat durch seine Geschichte gelernt, dass Grenzen sowohl Herausforderungen als auch Möglichkeiten darstellen können. „Diese Chancen müssen wir gemeinsam nutzen, denn Zusammenarbeit braucht gemeinsame Perspektiven“, so Eisenkopf abschließend.
„Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Föderalismus schafft sachliche Grundlagen“
Auch der Föderalismus stand im Mittelpunkt der Konferenz. Gemeinsam mit dem Institut für Föderalismus vergeben die Landtagspräsidentinnen und Landtagspräsidenten den Preis für Föderalismus- und Regionalforschung. Zum zehnten Mal wurde der Preis heuer ausgeschrieben. Mit Dr. Andreas Joham wurde in Hainburg der 21. Preisträger ausgezeichnet.
„Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fragestellungen rund um das bundesstaatliche Prinzip ist für uns keine akademische Nebensache. Sie schafft eine wichtige sachliche Grundlage, aus der auch die Politik Schlüsse für Gesetzgebung und Verwaltungshandeln ziehen kann“, hielt Niederösterreichs Landtagspräsident anlässlich der Verleihung fest.
„Zwei Botschaften nehmen wir aus dieser Konferenz mit: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit muss dort funktionieren, wo die Menschen sie brauchen. Und Föderalismus lebt davon, dass starke Länder und Regionen Verantwortung übernehmen und Lösungen vor Ort entwickeln“, fasste Landtagspräsident Karl Wilfing zusammen, der noch bis Ende Dezember den Vorsitz führt. Danach übernimmt der steirische Landtagspräsident Gerald Deutschmann für ein halbes Jahr.
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- Konferenz Hainburg KonferenzUnter dem Vorsitz von Landtagspräsidenten Karl Wilfing fand die Konferenz der Landtagspräsidentinnen und Landtagspräsidenten in der Kulturfabrik Hainburg statt.
- Konferenz Hainburg Präsidentinnen und PräsidentenUnter dem Vorsitz von Niederösterreichs Landtagspräsidenten Karl Wilfing trafen sich die neun Landtagspräsidentinnen bzw. Landtagspräsidenten, die Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs sowie der Südtiroler Vize-Landtagspräsident Arnold Schuler und Niedersachsens Präsidentin Hanna Naber im Rahmen der Konferenz der Landtagspräsidentinnen und Landtagspräsidenten drei Tage in Hainburg. Am Foto (v.l.): Christian Meidlinger (Wien), Hanna Naber (Niedersachsen), Arnold Schuler (Südtirol), Christine Schwarz Fuchs (Bundesrat), Jakob Wolf (Tirol), Karl Wilfing (Niederösterreich), Andreas Scherwitzl (Kärnten), Brigitta Pallauf (Salzburg), Gerald Deutschmann (Steiermark), Astrid Eisenkopf (Burgenland), Harald Sonderegger (Vorarlberg) und Max Hiegelsberger (Oberösterreich),
- Konferenz Hainburg PressekonferenzDer vorsitzende Landtagspräsident Karl Wilfing und seine burgenländische Kollegin Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf informierten im Rahmen eines Pressegesprächs über Inhalte der Konferenz.
- Konferenz Hainburg FörderalismuspreisZum 21. Mal wurde der Preis für Föderalismus- und Regionalforschung vergeben. Der Leiter des Instituts für Föderalismus, Peter Bußjäger (l.) und Landtagspräsident Karl Wilfing übergaben Andreas Joham (M.) die Auszeichnung.
- Konferenz Hainburg EhrenurkundeAnfang Juli trat Sonja Ledl-Rossmann (2.v.r.) als Tiroler Landtagspräsidentin zurück. Im Rahmen der Konferenz der Landtagspräsidentinnen und Landtagspräsidenten überreichten ihr ihre langjährige Wegbegleiterin die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, ihr Tiroler Nachfolger, Landtagspräsident Jakob Wolf (l.), sowie Landtagspräsident Karl Wilfing eine Ehrenurkunde.
- Konferenz Hainburg AbschiedDer Leiter der Verbindungsstelle der Bundesländer, Andreas Rosner (M.) wird in wenigen Wochen in den Ruhestand treten. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landtagspräsident Karl Wilfing bedankten sich im Rahmen des Abendempfangs für sein Engagement und wünschten alles Gute für seinen weiteren Lebensweg.









